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Ein offener und ehrlicher Austausch über den sozialen Mehrwert von Werkstätten, bürokratische Hürden und die Zukunft der beruflichen Teilhabe prägte den jüngsten Besuch von Dennis Petschner und Claudia Heber.
Um Probleme direkt vor Ort aufzunehmen und in die Politik zu tragen, besucht der Thüringer Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Dennis Petschner, regelmäßig Werkstätten. Begleitet wurde er bei diesem Termin von der CDU-Landtagsabgeordneten Claudia Heber, die sich als sozialpolitische Sprecherin ihrer Fraktion intensiv für die Belange von Menschen mit Behinderung engagiert und sich als klarer Unterstützer von Werkstätten positioniert. Für Dennis Petschner war der Besuch zudem ein Heimspiel: Durch seine frühere Tätigkeit als Geschäftsführer einer Komplexeinrichtung in der Eingliederungshilfe bringt er tiefes Praxiswissen mit.
Kostendruck darf nicht zu Lasten der Betroffenen gehen
Ein zentrales Thema der Diskussion war der wachsende Kostendruck auf die Kommunen. Alle Beteiligten waren sich einig, dass finanzielle Engpässe der öffentlichen Hand keinesfalls auf dem Rücken der einzelnen Menschen ausgetragen werden dürfen; ein Verdrängen aus den Werkstätten aufgrund von Sparzwängen ist inakzeptabel. Herr Aller betonte, dass das Thema politisch deutlich höher angesiedelt werden müsse. Er wies auf ein strukturelles Problem hin: Während die Kommunen die Kosten für die Eingliederungshilfe tragen, fließt der finanzielle Rückfluss (der sogenannte Social Return on Investment, SROI) – etwa über Steuern und Sozialversicherungsbeiträge – vor allem an den Bund, das Land und die Sozialversicherungen. Um dies zu veranschaulichen, übergab Herr Aller eine SROI-Studie der XIT GmbH, die am Beispiel der WfbM der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein den enormen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mehrwert von Werkstätten belegt. Hier sieht er konkrete Ansatzpunkte für eine dringend notwendige kommunale Entlastung.
Licht und Schatten bei Außenarbeitsplätzen und der Mobilität
Auch die Chancen und Grenzen von Außenarbeitsplätzen wurden beleuchtet. Wie wichtig der passende Arbeitsplatz für das persönliche Wohlbefinden ist, machte Herr König (Werkstattrat) eindrucksvoll deutlich: Nach mehreren Stationen auf Außenarbeitsplätzen hat er in der WfbM im Bereich des Gleitschleifens seine Erfüllung gefunden und fühlt sich dort vollkommen angenommen.
Erschwert wird der Weg auf den ersten Arbeitsmarkt im ländlichen Raum jedoch häufig durch die Infrastruktur. Die Mobilität stellt eine große Hürde dar: Die Taktung des öffentlichen Nahverkehrs ist oft nicht darauf ausgelegt, dass Menschen mit Behinderung pünktlich an weiter entfernten Außenarbeitsplätzen ankommen können.
Ungerechtigkeiten beim Entgelt und der Wunsch nach Bürokratieabbau
Der Werkstattrat sprach zudem ein sensibles Thema an: Gemeinsam mit der Geschäftsbereichsleitung möchte man eine Zulage für schwerere Tätigkeiten einführen. Das Problem dabei: Diese finanzielle Anerkennung kommt bei den Werkstattbeschäftigten oft gar nicht an, da sie mit der Grundsicherung oder Arbeitsförderungsgeldern verrechnet wird – eine Praxis, die von den Werkstatträten völlig zu Recht als ungerecht empfunden wird. Beim Thema „Budget für Arbeit“ wünscht man sich zudem, dass Ämter und Behörden hier endlich eine Vorreiterrolle einnehmen. Einig war man sich auch mit Herrn Petschner, dass überbordende Bürokratie an vielen Stellen inklusive Entwicklungen und innovative Angebote schlichtweg verhindert.
Wege in die Wirtschaft: Inklusionsunternehmen und Ausbildung
Bezüglich der Gründung von Inklusionsunternehmen betonte Dennis Petschner, dass diese künftig nicht mehr nur – wie im Beispiel der Stiftung Finneck – von sozialen Trägern ausgehen sollten. Vielmehr müsse die Initiative vermehrt aus der Mitte der freien Wirtschaft kommen. Positiv diskutiert wurden in diesem Zusammenhang die Integrationsfirma „Meine Möbelmacher“ sowie die „BDZ Küchen gGmbH“, die als erfolgreiche Praxisbeispiele besichtigt wurden.
Um die berufliche Bildung zu stärken, wollen sich Claudia Heber und Dennis Petschner dafür einsetzen, dass die Zertifikatskurse von „Integra Mensch Bamberg“ durch die Thüringer Industrie- und Handelskammern (IHKs) anerkannt werden. Hierzu sollen zeitnah Gespräche mit Beteiligten initiiert werden. Zudem wurde gefordert, mehr theoriereduzierte Ausbildungen anzubieten – hier scheitert es derzeit jedoch häufig an ortsnahen Angeboten für die theoretische Ausbildung.
Fazit: Ein gewinnbringender Austausch
Nach einem gemeinsamen Rundgang durch die WfbM endete das Treffen bei einem Mittagessen. Das Resümee fiel durchweg positiv aus: In dem ehrlichen und offenen Dialog kam jeder zu Wort. Sowohl Frau Heber, die schwierige Themen exzellent in einfachere Sprache für alle übersetzte, als auch Herr Petschner haben viele konkrete Impulse und Baustellen mit nach Erfurt genommen, um sich auf politischer Ebene weiter für die Praxis einzusetzen.